soziologie heute

Fachmagazin für Soziologie

René König (1906-1992)

Der deutsche Soziologe René König zählte neben Helmut Schelsky und Theodor W. Adorno zu den einflussreichsten Vertretern der deutschen Soziologie der Nachkriegszeit. Sein populärstes und für die damalige Zeit bahnbrechendes Buch war das 1958 erschienene Fischer Lexikon Soziologie, welches bis Ende der 1970er Jahre rund 410.000mal verkauft wurde. Darüber hinaus machte König die französischen Klassiker der Soziologie (Émile Durkheim, Marcel Mauss, Maurice Halbwachs u. a.) im deutschsprachigen Raum wieder bekannt.

René König (*5. Juli 1906 Magdeburg †21. März 1992 Köln)kam aus gutbürgerlicher Fabrikantenfamilie mit französischer Mutter und Muttersprache Französisch, 1914  aus Paris ins mitteldeutsch-hochprotestantische Halle an der Saale, erfuhr als achtjähriger Junge, in der Frühphase des ersten Großem Krieges als „Weltfest des Todes“ (Thomas Mann), überbordende hussapatriotische Massenemotionen („Jeder Tritt ein Britt/Jeder Stoß ein Franzos´“) und zugleich als „ausgrenzendes Erlebnis“ seine Stigmatisierung als „Randseiter“, genauer: als damals so genannter „Französling“.

Als der junge Mann König nach seinen Danziger Jahren (1922-1925) und ersten Studiensemestern der Philosophie, Psychologie und Vergleichenden Sprachwissenschaft in Wien zum Studium von Philosophie, Romanistik, Kunstwissenschaft und Ethnologie (als „vergleichender Völkerkunde“) 1928 an die Berliner Universität wechselte, konnte er die Reichshauptstadt dieser „Weimarer“ Jahre als kulturalisiertes, weltoffenes und minderheitstolerantes Sozialgebilde wahrnehmen. Diese Lebensphase Königs wurde mit seiner Promotion zum Dr.phil. über „Die naturalistische Ästhetik in Frankreich und ihre Auflösung“ (1930)(4) abgeschlossen.

König hat, besonders in seinen letzten Lebensjahren nach seiner doppelten Amtsentpflichtung als Universitätslehrer/Hochschulprofessor an der Universität zu Köln 1974 und, zehn Jahre später, als Herausgeber der „Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie“ [KZSS] 1984, in bewusst-zustimmender Rezeption der Ergebnisse „soziologischer Geschichtsschreibung“ (seines ehemaligen Berliner Studienkollegen) Emilio Willems (1905-1997) zum bis zur „Zerschlagung“ im Frühjahr 1945 destruktiv wirksamen „preußisch-deutschen Militarismus“ als „unvergleichlicher Kulturgestalt“ in seinem letzten grand essai (1987) die These vom „Weiterleben des Kaiserreiches in der Weimarer Republik“ aufgenommen und weitergedacht: Dann wäre, schrieb er 1987, die nationalsozialistische „Revolution“ 1933/34 „nichts anderes […] als die Rückkehr unter verschärften Bedingungen zur traditionellen deutschen bzw. preußischen Art; Weimar wäre dann als Intermezzo anzusehen.“

König emigrierte Anfang 1937. Er war weder (links)politischer Gegner noch rassistisch ausgegrenzter Jude und damit kein à priori „objektiver Gegner“ (Hannah Arendt) des Anfang 1933 an die Staatsmacht gekommenen faschistischen Nationalsozialismus, dessen Macht sich bis Mitte 1933/34 zunehmend und 1935/36 nachhaltig gefestigt hatte. Nach Promotionsabschluss und einem französischen Intermezzo in Paris und in Südfrankreich kehrte König nach Berlin zurück. Er wurde Lektor im Verlag „Die Runde“ – einem 1931 gegründeten und auf die Veröffentlichung von Stefan-George-Lyrik spezialisierten Buchverlag. Dort kam auch Königs Buch zur deutschen Universität heraus.

Auszug aus soziologie heute: „René König – einmal Emigrant, immer Emigrant“ von Richard Albrecht, April 2010.

 

1949 wurde König als ordentlicher Professor für Soziologie an die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität zu Köln berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1974 blieb.

König beschäftigte sich insbesondere mit der deutschen Nachkriegsgesellschaft und forcierte die empirische Sozialforschung. Darüber hinaus sorgte er dafür, die französischen Klassiker der Soziologie wie Durkheim, Mauss, Halbwachs etc.) im deutschen Sprachraum bekannter zu machen. Neben seinen zahlreichen Veröffentlichungen und Übersetzungen ist wohl sein populärstes Buch das Fischer Lexikon Soziologie, welches 1958 erstmals erschien und bis 1979 mehr als 400.000mal verkauft wurde.

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