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Fachmagazin für Soziologie

Wörterbücher der Soziologie – eine Vorstellung von vier Nachschlagewerken

von Volker Wackerfuß (Februar 2016)

Vier bekannte Wörterbücher werden im Folgenden vorgestellt, die eine Einführung und eine Vertiefung in wichtige Begriffe der Soziologie bieten sollen. Ein Wörterbuch hat stets die Aufgabe zu leisten, Begriffe in alphabetischer Aufzählung aufzulisten und zugleich diese Wörter verständlich zu erklären. Ein Wörterbuch der Soziologie sollte dem Interessierten, egal ob Laie, Oberstufenschüler, Abiturient, Soziologiestudent, Soziologe, Vertreter angrenzender Fächer (Politologie, Psychologie, Pädagogik, Verwaltungswissenschaften) ein brauchbares Nachschlagewerk sein. Die Auswahl dieser vier Wörterbücher ist eine rein subjektive Entscheidung. Es gibt weitere Wörterbücher der Soziologie, deren Nichtauswahl in diese Besprechung absolut kein Qualitätskriterium darstellt.

 

Das „Wörterbuch der Soziologie“ von Karl-Heinz Hillmann (Hrsg.), erschienen im Kröner Verlag, 5., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage (2007), ist ein sehr empfehlenswertes Lexikon. Die Grundbegriffe der Soziologie werden gut und klar erklärt. Es ist verständlich geschrieben. Der Schreibstil dieses Buches ist durchgängig angenehm und es erweckt das Interesse und auch die Lust, immer weiter in diesem Werk zu lesen und/oder einfach herum-zu-stöbern. Die Lektoren des Kröner-Verlages dürften sicherlich einen wichtigen Anteil daran haben. Als Leser wird man von den Ausführungen über die Grundbegriffe und über die Soziologen nicht „erschlagen“. Die Erklärungen sind stets gut gelungen und nie zu langatmig. Zudem werden Fachsoziologien bestens erklärt und es entsteht keine Verwirrung. Laut Angabe des Verlages auf dem Buchumschlag bietet dieses Wörterbuch Informationen über rund 2400 Sach- und Personenartikel. Dieses Wörterbuch beschreitet nicht den Weg, Stichwörter über den gängigen Lexikon-Umfang sehr ausführlich zu erörtern. Damit erfüllt dieses Buch die Voraussetzung eines Wörterbuches.

Dieses Wörterbuch bietet dem interessierten Leser auch am Ende der Erklärung vieler Begriffe weiterführende Literaturhinweise an. Diese Literaturverweise sind sehr gut für alle Interessierten an der Soziologie geeignet. Die genannten Schriften sind bewährte Standardwerke. Am Ende des Buches gibt es noch eine interessante 18 Seiten umfassende Zeittafel über die Vorgeschichte, Begründungsphase, Entfaltung und Professionalisierung der Soziologie. Das Format des Buches ist angenehm, es liegt gut in den Händen und kann überall hin mitgenommen werden. Die Anschaffung lohnt sich alle Male. Dieses Wörterbuch ist eigentlich schon ein Haben-Müssen.

 

Das „Wörterbuch der Soziologie“ von Günter Endruweit, Gisela Trommsdorff, Nicole Burzan (Hrsg.), erschienen bei UTB UVK Verlagsgesellschaft, 3., völlig überarbeitete Auflage (2014) stellt ein ebenso nützliches, lesenswertes und interessantes Buch dar. Dieses Werk hat einen Umfang von insgesamt 669 Seiten, das erstgenannte Wörterbuch von Karl-Heinz Hillmann kommt dagegen auf insgesamt 1017 Seiten. Das UVK-Nachschlagewerk ist anders aufgebaut. Laut der Verlagsangabe auf der Rückseite des Buches hat es ungefähr 300 Stichwörter. Diesen Stichwörtern ist ein eigener Beitrag gewidmet. Diese Stichwörter sind zusätzlich, zu Beginn des Buches auf drei Seiten alphabetisch mit Seitenzahl aufgelistet. Gleichzeitig gibt es am Ende des Buches ein Register und dieses 12 Seiten umfassende alphabetische Register führt viele Begriffe auf, die in den 300 Stichwort-Beiträgen zu finden sind. Diese Begriffe haben keinen eigenen Beitrag vorzuweisen, sind aber oft bei verschiedenen Stichwörtern auffindbar. Die Arbeit mit diesem ausführlichen Sachregister am Ende des Buches, ein ständiges Nachschlagen und Blättern, erlebe ich als mühsam. Dieses ständige Hin- und Herblättern für ein einzelnes soziologisches Wort widerspricht eigentlich dem Verständnis eines Wörterbuches.

Dieses Nachschlagewerk bietet dem Benutzer am Ende des jeweiligen Stichwortes ebenfalls oft weiterführende lesenswerte Literatur an. Am Schluss des Buches gibt es ein 11 Seiten umfassendes Autorenverzeichnis, unter anderem werden die jeweiligen Arbeitsgebiete angegeben. Von allen vier Wörterbüchern hat dieses das größte Format und ist zugleich das teuerste Werk. Der Inhalt des Buches belegt erneut, dass soziologisches Grundwissen in der heutigen Zeit unverzichtbar ist. Ein Buch, das die gewissenhafte Erstellung der Stichwörter widerspiegelt und immer wieder als eine Art Hinführung zu Fragestellungen der Soziologie verstanden werden kann. Dieses Buch stellt eine gute Ergänzung zu dem erstgenannten Wörterbuch des Kröner-Verlages von Karl-Heinz Hillmann dar.

 

Das Buch „Grundbegriffe der Soziologie“ von Johannes Kopp und Anja Steinbach (Hrsg.), erschienen bei Springer-VS, 11., überarbeitete und aktualisierte Auflage (2016), stellt ein weiteres brauchbares Grundlagenwerk dar. Interessant ist, dass diese Publikation nicht mit dem Begriff Wörterbuch auftritt, sondern auf der Vorderseite den Begriff „Lehrbuch“ trägt. Vielleicht stellt es wirklich eine Mischung aus einem Lehrbuch und einem Wörterbuch dar. Auf 403 Seiten werden über 100 Begriffe in informativen Artikeln verständlich erläutert. Am Ende eines Begriffes gibt es Verweise zu anderen soziologischen Grundbegriffen, die in dem Buch enthalten sind. Zudem gibt es nach dem jeweiligen Artikel Literaturangaben. Am Ende des Buches befindet sich ein Register von A wie Adoleszenz bis Z wie Zweckrationalität, mit insgesamt 10 Seiten. Die dort aufgeführten Wörter lassen sich bei den Begriffen finden. „Grundbegriffe der Soziologie“ erschien das erste Mal 1986 und zuletzt 2010, die Neuauflage von diesem Jahr, 2016, bedeutet ein 30- jähriges Bestehen für dieses „Arbeitsbuch“. Jeder Verfasser gibt am Ende seines Artikels ein brauchbares Literaturverzeichnis an. Der Nachteil dieses Werkes ist die geringe Anzahl der soziologischen Begriffe.

 

Das „Wörterbuch der Soziologie“ von Wilhelm Bernsdorf (Hrsg.), einst erschienen im Ferdinand Enke Verlag, 2., neubearbeitete und erweiterte Auflage (1969) ist ein Klassiker. Dieses Wörterbuch ist nicht mehr im Buchhandel käuflich, jedoch in Antiquariaten und oft zu einem günstigen Preis. Dieses Wörterbuch hat unzählige Soziologiestudenten während ihrer Ausbildung begleitet. Es entstand unter beratender Mitwirkung von, zum Beispiel, Theodor W. Adorno, Ralf Dahrendorf und Alphons Silbermann. Laut dem Vorwort zur zweiten Ausgabe enthält es um die 630 Begriffe, diese werden stets verständlich erklärt und sind durchaus weiterhin brauchbar. Es spiegelt die große Vielfältigkeit soziologischer Denkrichtungen jener Zeit wider und dieses Wörterbuch unterliegt keiner spezifischen Sichtweise. Die 630 Begriffe werden auf insgesamt 1317 Seiten erläutert, damit weist dieses Wörterbuch von allen Vieren den größten Seitenumfang auf. Interessant ist, dass bei den Begriffen zusätzlich, verwandte Wörter erwähnt und erläutert werden. Dies lässt die Seitenzahl ansteigen und für den Benutzer wird es noch interessanter.

Dieses Nachschlagewerk bietet vorne eine sechsseitige Liste mit der alphabetischen Aufzählung der Mitarbeiter und ihrer jeweiligen Beiträge an. Eine gute und unterstützende Arbeitshilfe sind die bei vielen Begriffen, am Ende ihrer Erklärung, mit einem Pfeil versehenden aufgeführten angrenzenden Wörter. Diese Querverweise können leicht im Wörterbuch aufgeschlagen werden. Es ist eine gelungene Vernetzung. Wie bei allen bisher vorgestellten Wörterbüchern erhält der Soziologie-Interessierte auch hier, am Ende des jeweiligen Begriffes oft Literaturhinweise. Diese Literatur spiegelt teilweise den damaligen aktuellen Stand der anglo-amerikanischen Soziologie wider. Dieses Wörterbuch ist weiterhin empfehlenswert und stellt eine gute Arbeitshilfe dar. Der Benutzer findet Begriffe und Hinweise welche in den obigen Werken nicht zu finden sind. Dieses Buch eignet sich bestens als Ergänzung zu den anderen Wörterbüchern.

 

 

Meine Empfehlung am Ende lautet, das bewährte Wörterbuch von Karl-Heinz Hillmann vom renommierten Alfred Kröner Verlag (Stuttgart) und als Ergänzung das Wörterbuch von Wilhelm Bernsdorf vom Ferdinand Enke Verlag (Stuttgart). Am besten, jeder Soziologie-Interessierte schaut sich verschiedene Wörterbücher zunächst in aller Ruhe an. Es gibt Wörterbücher und dies ist individuell, zu denen man keinen Zugang findet. Ein gekauftes Soziologie-Wörterbuch begleitet einen ein Leben lang. Eine Entscheidungsmöglichkeit wäre, wenn man einen soziologischen Begriff auswählt, über den man mehr erfahren möchte und sich die Erklärungen in den jeweiligen Büchern durchliest. Oder man nimmt einen Begriff, über den man bereits gut Bescheid weiß und dann erfährt man, ob man mit dem Artikel darüber zufrieden ist. Der Kauf eines Wörterbuches ist letztlich immer etwas Persönliches.

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